MED CAMPUS GRAZ

Entwicklung einer zukunftsfähigen
Immobilie

Die Zielsetzungen für die Nachhaltigkeitsausrichtung des MED CAMPUS sind bereits 2010 als Vorgabe in den Generalplanerwettbewerb, aus dem das Büro Riegler Riewe Architekten aus Graz als Sieger hervorgegangen ist, eingeflossen. Von 2011 bis 2013 erfolgte die Entwurfs- und Einreichplanung, im Juli 2013 erfolgte der Baubeginn für das Modul 1 des Hauptbaukörpers MED CAMPUS.

Als Grundlage und Zielsetzung für die Entwicklung des MED CAMPUS wurde vorerst die Definition aus dem Brundtland- Bericht 1982 herangezogen:

Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.

Von Seiten der Allianz Nachhaltige Universitäten Österreichs ist nun eine neue Definition der Nachhaltigkeit hinzugekommen, die die nachhaltige Ausrichtung der Universitäten Österreichs unterstützen soll.

Kriterien für nachhaltiges Handeln am Beispiel des Handbuchs Allianz Nachhaltige Universitäten Österreichs vom 15.05.2014:

Grundsatz einer nachhaltigen Entwicklung ist es, anthropogene (d.h. durch den Menschen beeinflusste, verursachte; Anm.) Systeme so auszugestalten, d.h. so zu wirtschaften, zu produzieren und zu leben, dass die Grenzen der ökologischen Tragfähigkeit nicht überschritten werden. Die Ökosysteme der Erde dürfen nicht in ihrer Assimilations,- Puffer- und Regenerationsfäigkeit beeinflusst werden. Damit verknüpft ist die Gestaltung sozial und ökonomisch resilienter Systeme (d.h. robuster, widerstandsfähiger Systeme - Systeme, die fähig sind, Störungen und Veränderungen abzupuffern, Anm.). … für alle 3 Säulen der Nachhaltigkeit, die ökologische, die soziale und die ökonomische Nachhaltigkeit.

Beim Projekt Hauptbaukörper MED CAMPUS wurden diese drei Säulen der Nachhaltigkeit (ökologisch, sozial und ökonomisch) um die funktionale und technische Nachhaltigkeit ergänzt, um auch den eigentlichen Grund der Bauaufgabe (die Nutzung) im Sinne der Nachhaltigkeit erfassen zu können. Die Akzeptanz und damit die Lebensdauer eines Gebäudes ist neben der kulturellen Akzeptanz ganz wesentlich von der Nutzungsoffenheit und von der Offenheit für spätere, (heute noch nicht absehbare), Entwicklungen abhängig. Voraussetzung hierfür ist die Gestaltung und Ausbildung des Gebäudes in einer Form, die zukünftige Entwicklungen der Nutzung des Gebäudes ermöglicht – keep the options open!

Mit dem nun erfolgten Abschluss der Planung und dem Beginn der baulichen Umsetzung des Moduls 1 des Hauptbaukörpers MED CAMPUS ist es gelungen, diese Zielsetzungen in höchstem Maße umzusetzen. Dafür war die Einbeziehung des Blickwinkels der Nachhaltigkeit in allen Themenstellungen des Planens und Bauens erforderlich, hinsichtlich der technischen und ökonomischen Fakten ebenso wie hinsichtlich der funktionalen, ökologischen und soziokulturellen Aspekte. Maßgeblich für die zu treffenden Entscheidungen waren dabei einerseits die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Aspekten und andererseits die langfristigen Auswirkungen der Maßnahmen, über den gesamten Lebenszyklus der Immobilie.

Wesentliche Eckpunkte der nun erfolgenden Umsetzung des Hauptbaukörpers MED CAMPUS Modul 1 sind

  • die zukunftsorientierte Standortentscheidung,
  • das zukunftsoffene Nutzungskonzept,
  • das die sanfte Mobilität fördernde Verkehrs- und Mobilitätskonzept,
  • die zur Stadt hin offene städtebauliche Lösung mit hoher Bebauungsdichte
  • die Berücksichtigung der Anforderungen des Bebauungsareals als wichtiger Frischluftkorridor für die Stadt Graz,
  • die markante (und somit sowohl für die Benutzer als auch für das Stadtquartier identitätsstiftende) und zugleich zurückhaltende und nutzungsoffene Architektur,
  • die standardisierten, nutzungsoffenen und in den Details eng mit den Nutzern abgestimmten Grundrisse und Gebäudeausstattungen,
  • das breite Angebot an Kommunikationsräumen
  • die effiziente und nachwachsende Ressourcen nutzende Haustechnik,
  • der Einsatz von schadstoffarmen Baustoffen
  • und die Implementierung einer nachhaltigen Betriebsführung

Mit diesem Ergebnis werden alle wesentlichen im Handbuch Allianz Nachhaltige Universitäten Österreichs vom 15.05.2014 angeführten Anforderungen für das Umweltmanagement von Universitäten umgesetzt bzw. baulich vorbereitet, womit dieses Projekt unter den Universitäten Österreichs sicher eine Vorreiterrolle einnimmt.

Gelungen ist dies durch die ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen der Bundesimmobiliengesellschaft m.b.H. (BIG) und der Medizinischen Universität Graz (Med Uni Graz) sowie durch die Einbindung eines integralen Beratungs- und Planungsteams.

In den nächsten Umsetzungsschritten erfolgt die finale Umsetzung der Planung auf der Baustelle sowie die Entwicklung und Implementierung eines nachhaltigen Gebäude- Betriebsführungskonzepts. Die Fertigstellung und Inbetriebnahme des Moduls 1 des MED CAMPUS soll ab Ende 2016 erfolgen.

DI Heinrich Schober
Programmleitung MED CAMPUS


Nassim Taleb: Man kann auch von Fitness sprechen: Wie schaffen wir es, uns an sich verändernde Bedingungen anzupassen? Es geht darum, Systeme zu verstehen und wie sie sich verändern – soziale, technische und wirtschaftliche Systeme.


Steffen Braun, Fraunhofer Gesellschaft: Es wird interessant sein, nicht mehr nur auf einer Ebene des Gebäudes zu denken sondern zu verstehen, dass ein Gebäude Teil eines sozialen Komplexes ist. Eines Quartiers, in dem Interaktion stattfindet.

 

 

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